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Tierpsychologie

Als Katzenpsychologin wird man oft von Leuten gefragt, ob man mit der Katze selbst spreche oder ob man von fern Kontakt mit ihr aufnehme? Tierpsychologie hat aber nichts mit Tierkommunikation zu tun. Es ist die gemeinsame Arbeit mit dem Besitzer zusammen, das Fehlverhalten zu analysieren, die Ursachen zu suchen und die Möglichkeiten und Wege aufzuzeigen, wie man daran arbeiten kann. Doch welche Probleme bespricht man mit einer Katzenpsychologin ausser den bekannten Sorgen wie Unsauberkeit oder dem Markierverhalten in der Wohnung?

Beim Abholen einer Katze aus dem Tierheim erhält man oft nicht viele Informationen über das Tier und seine Vorgeschichte. Das kann bei ängstlichen und scheuen Katzen dann Probleme geben mit dem Eingewöhnen oder die Besitzer werden teilweise mit dem abwehrenden, fauchenden und flüchtenden Tier recht schnell frustriert. Auch beim Anschaffen einer Zweitkatze entstehen oft Fragen und Unsicherheiten, wenn sich die beiden Individualisten nicht sofort mögen oder sogar bekämpfen. Der faule 7 jährige Stubentiger Max hatte anfangs keine Freude am kleinen Nachwuchs, der ständig durch die Wohnung rannte, ihn ansprang und spielen wollte. Er faucht einige Zeit und verteilte auch unsanfte Tatzenhiebe. Mit etwas Nachhilfe und Unterstützung seiner Besitzer akzeptierte Max den Neuankömmling dann aber doch und heute schlafen sie zusammen in einem Körbchen.

Doch auch wenn man sich ein kleines Kätzchen vom Bauernhof nach Hause holt, so gibt es Verhaltensauffälligkeiten, welche man nicht voraussehen kann. Das zu früh von der Mutter entwöhnte Kätzchen Speedy saugte an jedem möglichen Gegenstand, ob Kleider, Bettwäsche, Schlafplätzchen etc. Anfangs war das noch niedlich, doch bald wurde es zur Plage! In so einem Fall spielt der Halter mit seinem Verhalten und der nötigen Konsequenz in der Verhaltenstherapie eine zentrale Rolle.

Ebenso sind Ängste ein weit gefasstes Thema bei Tieren und Angst ist wohl die einschränkendste Gefühlslage für ein Lebewesen. Bei Katzen können fremde Menschen, rasche Bewegungen, Knallgeräusche, der Staubsauger und vieles mehr ausreichen, tiefgreifende Ängste auszulösen. Der kleine 5 Monate alte Mischa reagierte panisch, wenn er die Treppe in den oberen Stock hätte benutzen sollen, diejenige in den Keller überwand er aber ohne jeglichen Probleme. Die Besitzer ahnten nicht, dass die offene Wendeltreppe und die freie Sicht zwischen den Stufen der Katze so ungeheure Angst einjagte– heute springt er die Treppe hinunter, als hätte er nie etwas anderes getan…

Weniger bekannt sind Verhaltensstörungen wie das Fellreissen, Wundlecken, nicht-verdauliche Gegenstände verzehren oder plötzliche Aggressionsattacken. Sidney, eine 9 jährige Katzendame liebte es gestreichelt zu werden, doch innerhalb von Sekunden schlug das Geniessen in eine Aggressionsattacke um. Für die Besitzer natürlich eine schwierige Situation und sie interpretierten ihr Verhalten als undankbar und verwöhnt. Dabei hatte Sidney eine extrem ausgeprägte Reizempfindung und obwohl sie den Körperkontakt mochte, wurde das Streicheln für sie rasch unangenehm, wenn nicht sogar leicht schmerzhaft. Die Besitzer lernten die Körpersprache ihrer Katze kennen und konnten frühzeitig sehen, wann es genug war. So blieb Sidney dann gerne lange und ausgiebig auf dem Schoss liegen- jedoch ohne gekrault zu werden.

In einer tierpsychologischen Beratung wird das Problem von den Besitzern genau beschrieben und es sind viele Fragen zu beantworten. Je mehr Informationen vorhanden sind, desto besser kann eine klare Analyse erstellt werden und desto schneller kann man dagegen etwas tun. Oftmals interpretieren wir vieles auf menschliche Art und Weise und vergessen dabei, dass Tiere eine ganz andere Wahrnehmung haben und viele Eigenschaften von uns Menschen gar nicht besitzen. Rasch ist es passiert, dass Unverständnis, Stress und Frust eine Tier-Mensch-Beziehung durcheinander bringen und man die Freude am Tier verliert. Unser Ziel ist es wieder eine entspannte, harmonische und liebevolle Mensch-Tier-Beziehung herzustellen.

(Quelle: Désirée Kahl, Tierpsychologin ATN)
 

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