Katzen sind Gewohnheitstiere und lieben es, wenn sich nichts an ihrem Umfeld oder ihrem Tagesablauf ändert. So sehr sich das auch viele Katzenhalter wünschen, es ist fast nicht machbar. Ein Umzug, eine andere Arbeitsstelle mit neuen Arbeitszeiten oder Familienzuwachs – ein Menschenleben besteht aus vielen Veränderungen.
Auch für uns Menschen verursacht ein Umzug, ein längerer Urlaub, das Vermissen einer Bezugsperson oder eine neue berufliche Herausforderung Stress. Desto mehr leiden unsere Katzen darunter, weil es in ihnen eine starke Verunsicherung auslöst. Es gibt zwar einige Katzen, welche problemlos an einen neuen Ort gebracht werden können und sich sofort wohl fühlen. Es gibt jedoch extrem sensible Katzen, welche schon starke Reaktionen zeigen können, wenn neue MoÅNbelstücke in die Wohnung gebracht werden oder welche schon verunsichert sind, wenn der Besitzer fremde Gerüche von draussen nach Hause bringt (nach Hund riechende Hände, Parfüm etc.). Doch wann erkennen wir, dass unsere Katzen Stress haben und was sind Anzeichen dafür?
Eine Katze, welche direkt nach einer Veränderung des Umfeldes unsauber wird, zeigt damit ihre Überforderung und ihre Hilflosigkeit. Die neuen Geräusche im Haus, die ungewohnten Wohnräume, das Fehlen von „alten“ Gerüchen etc. verunsichert die Katze stark und als Ventil fängt sie an, ihre Gegenstände zu markieren oder sie pinkelt ausserhalb ihrer Katzentoilette.
Einige Katzen können plötzlich lustlos, apathisch und in einen depressionsähnlichen Zustand gelangen. Mit dem Rückzug flüchtet das Tier in sein Innerstes um den äusseren Einflüssen nicht ausgesetzt zu sein. Dies kann bis zu Futterverweigerung gehen.
Wieder andere Katzen reagieren mit Konfrontation, sind plötzlich launisch, unausgeglichen oder sogar teils aggressiv gegenüber ihnen bekannte Artgenossen oder ihren Bezugspersonen. Dies kann vorkommen, wenn eine Art „Heimweh nach der Vergangenheit“ auftritt z.B. wenn die Besitzer in eine Wohnung ziehen, wo Freigang nicht mehr möglich ist und die Katze dies aber bis anhin gewöhnt war. Dies ist ein dramatischer Verlust von Freiheit, mit welchem sie nicht umgehen kann und in jener Form ihrem Unmut Luft machen muss.
Katzen, welche nicht oft alleine sind und sich das Alleine sein auch nicht gewöhnt sind und dies plötzlich müssten, können mit Aufmerksamkeit forderndem Verhalten anfangen: miauen, schreien, an Gegenständen kratzen, nachts Terror machen etc. Dies ist aber zu unterscheiden von Verlustängsten, welches ein Tier überkommen kann, sobald der Besitzer das Haus verlässt.
Katzen, welche chronische Krankheiten aufweisen und immer und immer wieder die gleichen Symptome zeigen und schon länger tierärztlich betreut werden, sind unbedingt auf Stress im Umfeld zu überprüfen. Gerade Blasenentzündungen oder Magen-Darmkrankheiten, welche immer und immer wieder auftreten, können ein Anzeichen für einen Stressfaktor im Umfeld sein.
Eher scheue und zurückhaltende Katzen sind oft Attacken und Angriffen von anderen Freigängern ausgesetzt. Wenn sie sich nicht genügend in ihrem Revier durchsetzen können, so sind sie ständig dieser Angst vor dem nächsten Angriff ausgesetzt. Diese Katze wollen dann das Haus nicht mehr verlassen, oder schleichen fast um das Haus herum, sind ängstlich und zögernd. Dies kann sich soweit steigern, dass sie sogar im Haus extrem skeptisch werden, nicht mehr tief schlafen können oder sich ständig vor etwas fürchten. Stress und Angst sind wohl die grösste Einschränkung an Lebensqualität für ein Tier. Da es aber vielfach kein störendes Verhalten für den Besitzer ist, wenn eine Katze sich oft versteckt, Panik-Attacken hat oder 24 Stunden am Tag apathisch und abwesend ist, so wird vielfach nichts dagegen unternommen. Dabei kann sich lang anhaltender Stress auch auf die Gesundheit und sogar die Lebensdauer einer Katze auswirken. Ein Grund mehr, dieses eher unbekannte Thema anzugehen und sich fachliche Hilfe zu holen, wenn die Katze ein solch beschriebenes Verhalten zeigt.
Ob bei Unsauberkeit, Apathie, Futterverweigerung etc. ist die tierärztliche Voruntersuchung zwingend nötig um körperliche Ursachen ausschliessen zu können.