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Kann man eine Katze erziehen?

Trotz dem Ruf, Katzen seien eigenwillig und nicht erziehbar, gibt es einige Dinge, die man der Katze von klein auf an- oder abgewöhnen kann. Wichtig dabei ist, die richtige Methode sowie der entscheidende Moment in dem man reagiert.

Die Katzenmutter beginnt mit der Erziehung bereits wenn ihre Jungen vier bis fünf Wochen alt sind. Wird es ihr zu viel, so teilt sie sanfte Tatzenhiebe aus oder gibt Laute von sich, welche zu verstehen geben, dass die Kinder mit dem, was sie soeben machen, aufhören sollen. Auch die Geschwister untereinander geben sich mit Lauten zu verstehen, wenn das Spiel zu grob wird oder die kleinen spitzigen Zähne zu fest ins Fell gebissen haben. Das ist auch nötig, denn nur durch das Austesten der Grenzen erfährt das kleine Wesen, was toleriert oder eben nicht mehr akzeptiert wird. Diese Erziehung findet aber immer im Verhältnis zum Alter und Körpergewicht statt; so sind die Stubser der Mutter sanft aber doch kräftig genug um das auszudrücken, was sie mitteilen will.

Wie eine Katze lernt

Eine Katze besitzt die Fähigkeit, sich an Umweltveränderungen sehr rasch anzupassen. Das bedeutet, wenn eine Tätigkeit keinen Erfolg zeigt, so wird sie zukünftig vermieden, um nicht sinnlos Energie zu verbrauchen. Ebenso wird durch positive oder negative Erfahrung die Reaktion angepasst, verändert oder verbessert.
Passiert während einer Tätigkeit etwas unerwartetes und das Tier erschreckt oder ängstigt sich, so entsteht eine Verknüpfung der aktuellen Handlung und diesem negativen Erlebnis. Ertönt ein lautes „Auaa“ in dem Moment wo gebissen wird (automatisch durch den Schmerzreiz des Gegenübers ausgelöst), so ist für die Katze klar, dass jene Handlung gemeint wurde und beim nächsten Mal wird bereits vorsichtiger gespielt. Ein Schimpfen oder Rufen nach dem die Katze bereits wegläuft oder mit etwas anderem spielt, nützt also nichts. Die Reaktion muss innerhalb einer Sekunde passieren, ansonsten kann die Verknüpfung mit etwas komplett anderem, was gerade ausgeführt wird, entstehen. Weil es sehr schwierig ist, im entsprechenden Moment und in der richtigen Intensität zu reagieren, gelten Katzen wohl als unerziehbar…

Angebrachte Erziehungsmassnahmen

Nun kommt eine Katze in eine neue Umgebung ohne Geschwister und ohne Mutter, wo menschliche Hausregeln herrschen. So ist es wichtig, ebenso sanft, liebevoll, geduldig aber konsequent zu erziehen. Beginnt die Katze an den Vorhängen hochzuspringen, Erde auszubuddeln oder Dekorationen zum Spiel zu bewegen, so ist es angebracht, mit einem „Zischlaut“ oder einem Händeklatsch die Katze zu erschrecken. Es ist nicht nötig, extrem laut oder wild gestikulierend auf das das Tier loszustürmen, um es zu erschrecken (man bedenke die Grösse und die Perspektive vom Katzenkind aus!). Beim zu groben Spiel sollte man vorgehen, wie es die Katzengeschwister handhaben; werden die Angriffe zu grob, die Krallen ausgefahren oder stark gebissen, sollte man in erhöhter Stimmlage „Auuuuuua“ sagen und das Spiel abbrechen. Mit dem Abbruch der Tätigkeit, signalisiert man der Katze „bist du zu grob, hören wir auf“. Falls Sie eine besonders übermütige oder angriffslustige Katze haben, so lenken Sie das Spiel bereits vor den groben Reaktionen in ruhigere Bahnen. Gerade junge Katzen lassen sich gerne in den Übermut treiben oder es wird ihnen plötzlich zu viel und sie reagieren mit Abwehr.
Als Besitzer muss man sich oft selbst an der Nase nehmen, wenn die Katze einmal auf das Sofa darf, das nächste Mal wieder nicht und dann doch wieder, so kann es die Katze nicht lernen. Wenn Sie Ihre Hausordnung für sich festgelegt haben, so sollten Sie diese auch durchsetzen, es ist für beide angenehmer wenn klare Regeln herrschen.

Tabu‘s

Im Umgang mit Tieren und besonders mit Ihrer Katze sind Schläge, Fusstritte, Nasenstupser, Zeitungspapier-Rollen usw. absolut fehl am Platz. Das Kräfteverhältnis und die Grössen- und Gewichtsunterschied können bei körperlicher Erziehung durch den Menschen niemals richtig bemessen werden. Zudem können Katzen sehr schnell handscheu werden, wenn sie einmal mit menschlicher Gewalt gemassregelt werden. Gerade junge und neu eingezogene Katzen müssen erst das Vertrauen aufbauen und in den Menschen festigen.
Bedenken Sie jedoch, dass eine Katze es immer mal wieder versuchen wird, etwas Verbotenes zu tun. Es erscheint einem manchmal, als sei es provozierend um die Reaktion des Menschen zu testen und herauszufordern. Es geht aber vielmehr um Grenzen, welche immer und immer wieder ausgetestet werden, so wie es in der Natur eines Säugetieres liegt, den eigenen Freiraum ständig zu erweitern.

(Quelle: Désirée Kahl, Tierpsychologin ATN)
 

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